Bereits jetzt ein bemerkenswertes Jahr: Drei Preise und eine Lise-Meitner-Gruppe für Dr. Anna Rosławska
Für Dr. Anna Rosławska, Leiterin der Emmy-Noether-Forschungsgruppe „Atomic Scale Optics“ an unserem Institut, ist es eine außergewöhnliche Phase der Anerkennung. Innerhalb weniger Monate wurde sie mit drei bedeutenden Preisen ausgezeichnet und in eines der renommiertesten Karriereprogramme der Max-Planck-Gesellschaft aufgenommen — eine Reihe von Ehrungen, die den Einfluss ihrer Forschung auf besonders deutliche Weise widerspiegelt.
Dr. Rosławska wurde für ihre Arbeiten zur Kontrolle der Phototautomerisierung auf submolekularer Ebene ausgezeichnet. Ihre Forschung entwickelt die optische Mikroskopie mit Hyperauflösung weiter und erweitert optische Methoden bis hinab zu atomaren Längenskalen, um die Grenzen unseres Verständnisses der Mechanismen von Photosynthese und Lichtabsorption zu verschieben. Durch die Kombination von Rastertunnelmikroskopie mit optischer Spektroskopie kann sie beobachten, wie einzelne Elektronen in Photonen umgewandelt werden, wie der Energietransfer während der Photosynthese auf atomarer Skala abläuft und wie Fluoreszenz durch einzelne elektrische Ladungen kontrolliert werden kann. Darüber hinaus gelang ihr erstmals die präzise Kontrolle einer photoinduzierten Reaktion, indem Licht gezielt auf einen bestimmten Teil eines einzelnen Moleküls gerichtet wurde — ein Ergebnis, das neue Möglichkeiten in der Photochemie eröffnet.
Der Karl-Freudenberg-Preis
Zuletzt zeichnete die Heidelberger Akademie der Wissenschaften Dr. Rosławska mit dem Karl-Freudenberg-Preis aus, der 1986 von der Freudenberg-Gruppe anlässlich des 100. Geburtstags von Karl Freudenberg gestiftet wurde. Der Preis würdigt herausragende wissenschaftliche Arbeiten in den Naturwissenschaften, mit besonderem Schwerpunkt auf Chemie und Biologie, und ist Forschenden unter 35 Jahren vorbehalten. Die Preisverleihung fand am 20. Juni im Rahmen der Jahresfeier der Akademie in Heidelberg statt.
Der Nernst-Haber-Bodenstein Preis
Nach dem Gaede-Preis 2026 der Deutschen Physikalischen Gesellschaft wurde Dr. Rosławska zudem mit dem Nernst-Haber-Bodenstein-Preis der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie (DBG) ausgezeichnet, einer der traditionsreichsten Auszeichnungen der deutschen Physikalischen Chemie.
Der Nernst-Haber-Bodenstein-Preis wurde zum Gedenken an Max Bodenstein, Fritz Haber und Walther Nernst gestiftet — drei herausragende Persönlichkeiten, die das Fach im frühen 20. Jahrhundert maßgeblich geprägt haben. Seit 1953 wird der Preis für herausragende wissenschaftliche Leistungen von Forschenden in einer frühen Karrierephase vergeben. Traditionell wird er im Rahmen der Eröffnungsfeier der jährlichen Bunsen-Tagung, der zentralen Konferenz der DBG, verliehen.
Aufnahme in das Lise-Meitner-Exzellenzprogramm
Als weiterer Höhepunkt dieses außergewöhnlichen Jahres wurde Dr. Rosławska in das Lise-Meitner-Exzellenzprogramm der Max-Planck-Gesellschaft aufgenommen und wird am MPI-FKF ihre eigene unabhängige Forschungsgruppe aufbauen. Das Programm wurde für besonders talentierte Wissenschaftlerinnen in einer frühen Karrierephase geschaffen, mit dem erklärten Ziel, den Anteil von Frauen in wissenschaftlichen Führungspositionen innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft zu erhöhen. Als Lise-Meitner-Gruppenleiterin verfügt sie über eigene Personal- und Sachmittel sowie über vollen Zugang zur Infrastruktur des Instituts. Darüber hinaus ist eine garantierte W2-Tenure-Track-Evaluation innerhalb von fünf Jahren vorgesehen.
Annas Rat an die Nachwuchswissenschaftler:
“Seien Sie offen für neue Konzepte und Ideen. Es macht Spaß, über „unmögliche Projekte“ nachzudenken — am Ende könnten manche davon doch machbar werden.”
Forschung an der Grenze von Licht und Materie
Dr. Rosławska leitet eine Forschungsgruppe, die an einer bemerkenswerten Schnittstelle verschiedener Disziplinen arbeitet: der Quantenoptik und der Rastertunnelmikroskopie. Ihr Team nutzt eine einzigartige Kombination aus Rastertunnelmikroskopie und optischer Spektroskopie, um die Wechselwirkung von Licht und Materie auf der grundlegendsten Ebene zu untersuchen — Molekül für Molekül und mit atomarer Präzision. Die Bedeutung dieser Arbeit reicht weit über die Grundlagenforschung hinaus: Die untersuchten Prozesse spielen eine zentrale Rolle in der Photosynthese, der organischen Optoelektronik und bei photochemischen Reaktionen. Ihr Verständnis auf Einzelmolekülebene eröffnet neue Wege für zukünftige nanoskalige Technologien.
Eine herausragende wissenschaftliche Laufbahn
Dr. Rosławska studierte Physik und Nanotechnologie in Danzig, Polen, und ist bereits seit den frühen Stationen ihrer wissenschaftlichen Laufbahn mit dem MPI-FKF verbunden. Sie promovierte 2019 an der EPFL Lausanne, forschte anschließend als Marie-Skłodowska-Curie-Fellow am IPCMS in Straßburg und kehrte 2023 nach Stuttgart zurück, um die Emmy-Noether-Forschungsgruppe „Atomic Scale Optics“ aufzubauen.













