Max Planck Lecture 2026: Also doch Raketenwissenschaft
Flugzeuge mit zwei verbundenen Flügeln und Kunststoff, durch den man hindurchsehen kann: Bei der Max Planck Lecture am 5. Oktober zeigte Peter Middendorf, Rektor der Universität Stuttgart, woran seine Hochschule forscht.
Wer den Titel genau las, ahnte schon, wohin die Reise geht. „University of Stuttgart – no rocket science!" stand auf der Ankündigung, das „no" durchgestrichen. Luft- und Raumfahrt ist einer der Profilbereiche der Universität Stuttgart, und auf diesem Gebiet forscht sie seit Jahrzehnten.
Die Max Planck Lecture findet einmal im Jahr statt. Diesmal hat das Max-Planck-Institut für Festkörperforschung (MPI-FKF) sie gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS) organisiert. Prof. Katherine J. Kuchenbecker, Direktorin am MPI-IS, begrüßte den Gast im gut gefüllten Hörsaal 2D5 und moderierte die Diskussion. Prof. Bernhard Keimer, Geschäftsführender Direktor des MPI-FKF, stellte Middendorfs Werdegang vor.
Middendorf sprach eine Stunde lang, und keine Minute davon war zu viel. Er begann mit der Geschichte der Universität und ihrem heutigen Aufbau, dann ging es in die Forschung. Aus zahlreichen Projekten greifen wir zwei heraus, die aus seinem eigenen Fach kommen, dem Flugzeugentwurf am Institut für Flugzeugbau (IFB).
Ein Flugzeug mit zwei Tragflächen übereinander, an den Spitzen miteinander verbunden? Genau das untersucht das Projekt DOXWING, das das IFB gemeinsam mit Bauhaus Luftfahrt und der TU Berlin bearbeitet. Diese Boxwing-Form erzeugt im Reiseflug weniger induzierten Luftwiderstand als ein herkömmlicher Flügel mit gleicher Spannweite. Dazu kommen mehrere elektrisch angetriebene Propeller, über die Flügel verteilt und gespeist von einer Wasserstoff-Brennstoffzelle. Die Propeller können den Auftrieb erhöhen, sodass das Flugzeug auf kurzen Strecken starten und landen kann. Am Ende soll ein Flugzeug stehen, das sparsamer und leiser fliegt. Ob die Computersimulationen stimmen, prüft die TU Berlin im Windkanal.
Das zweite Beispiel klingt zunächst nach Widerspruch: ein Werkstoff, der Lasten trägt und durch den man hindurchsehen kann. Gemeint sind glasfaserverstärkte Kunststoffe. Der Trick liegt in der Optik. Die Forschenden wählen einen Kunststoff, der Licht fast genauso stark bricht wie die Glasfasern, und schon wird die Platte durchsichtig. Im Projekt transComp entstanden so transparente Platten aus verschiedenen Fasern und Kunststoffen. Das IFB entwickelte dafür ein Verfahren, mit dem sich die Platten ohne Poren herstellen lassen, und baute durchsichtige Werkzeuge mit sehr glatter Oberfläche.
In der halbstündigen Diskussion danach ging es vor allem um eine Frage, die Universitäten wie Forschungsinstitute gleichermaßen beschäftigt: Wie muss Ausbildung im Zeitalter künstlicher Intelligenz aussehen?

















