Neues AMDL bringt Tempo in die Materialforschung – hochrangiger Besuch am MPI-FKF in Stuttgart
Wie entstehen die Materialien für die Technologien von morgen?
Am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung (MPI-FKF) in Stuttgart beginnt dazu ein neues Kapitel: Mit dem Neubau des Accelerated Materials Discovery Laboratory (AMDL) entsteht eine Forschungsumgebung, die Künstliche Intelligenz, robotergestützte Synthese und Hochdurchsatzanalytik zusammenbringt – mit dem Ziel, neue Materialien deutlich schneller zu entdecken und weiterzuentwickeln, etwa für Energie- und Quantenanwendungen.
Dass diese Zukunftsstrategie weit über Stuttgart hinaus Aufmerksamkeit findet, zeigte auch ein hochrangiger Termin am Institut: Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Wissenschaftsministerin Petra Olschowski und MPG-Präsident Prof. Patrick Cramer informierten sich am 23. Januar 2026 vor Ort über die geplanten Investitionen und die Forschung am MPI-FKF.
47 Millionen Euro für das AMDL – und ein klarer Schritt Richtung Zukunft
Der Aufbau des AMDL wird vom Land Baden-Württemberg mit 47 Millionen Euro gefördert (Doppelhaushalt 2025/26). Das neue Labor soll künftig einen zentralen Beitrag dazu leisten, Materialentwicklung stärker zu automatisieren und datengetrieben zu beschleunigen – vom Entwurf über die Synthese bis zur Auswertung.
Die Grundidee: intelligente, vernetzte Workflows, in denen automatisierte Experimente und KI-basierte Auswertungsmethoden eng zusammenspielen. So können Forschungsteams viele Materialvarianten systematisch testen und gezielt optimieren – mit deutlich mehr Geschwindigkeit als in klassischen, rein sequenziellen Experimentierprozessen.
Winfried Kretschmann meint dazu: „Seine große wissenschaftliche Leistungsfähigkeit verdankt das Max-Planck-Institut für Festkörperforschung auch seinen erstklassigen Laboren. Mit dem AMDL soll nun die nächste einzigartige Forschungsumgebung entstehen. So können wir hierzulande unsere technologische Souveränität stärken“, so Kretschmann. „In diesem Labor der Zukunft wird die Entwicklung innovativer Materialien nicht nur drastisch beschleunigt, sondern ganz neu gedacht: Dank Künstlicher Intelligenz werden hunderte Experimente parallel durchgeführt und Materialeigenschaften automatisch katalogisiert.“
Präzisionslabor: Forschung in „absoluter Ruhe“
Bei ihrem Besuch erhielten die Gäste außerdem Einblicke in das Präzisionslabor des MPI-FKF. Prof. Klaus Kern stellte das Gebäude und ausgewählte Forschungsarbeiten vor. Das Präzisionslabor ist eine der wichtigsten Forschungsinfrastrukturen des Instituts: In hochgradig entkoppelten Laborbereichen lassen sich Experimente unter extrem ruhigen Bedingungen durchführen – bei Bedarf bis nahe an den absoluten Temperaturnullpunkt. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 2012 ist die Zahl der wissenschaftlichen Ergebnisse und Publikationen, die aus dem Präzisionslabor hervorgehen, kontinuierlich gestiegen.
KI trifft Materialwissenschaft: „Robotik“ im Forschungslabor
Ein weiterer Höhepunkt war die Vorstellung des AMDL durch Prof. Bettina Lotsch. Im Fokus stehen dabei Methoden, die neue Wege in der Materialentwicklung eröffnen: automatisierte Syntheseplattformen, schnelle Charakterisierung und KI-gestützte Modelle, die helfen können, vielversprechende Kandidaten gezielt auszuwählen.
Ziel ist es, Materialien für zentrale Zukunftsfelder schneller zugänglich zu machen – von effizienteren Energiematerialien bis hin zu Quantenmaterialien, die neue Eigenschaften für Technologien der kommenden Generation ermöglichen.
Investitionen am Standort: Modernisierung und neue Infrastruktur in der Nachbarschaft
Das AMDL ist Teil einer langfristigen Entwicklung des MPI-FKF und des Wissenschaftsstandorts Stuttgart. Im Anschluss an den Neubau ist eine vollständige Modernisierung des denkmalgeschützten Institutsgebäudes von 1969 geplant. Die Max-Planck-Gesellschaft finanziert dafür 150 Millionen Euro für zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen am MPI-FKF.
Auch in unmittelbarer Nachbarschaft entsteht neue Forschungsinfrastruktur: Am benachbarten Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS) wird ein Cyber Valley-Gebäude gebaut – ein weiteres Signal für die dynamische Entwicklung der Region rund um KI, Quantentechnologien und materialbasierte Innovationen.
Ein starkes Signal für Forschung in Baden-Württemberg
Gastgeber Prof. Bernhard Keimer, Geschäftsführender Direktor des MPI-FKF, betonte beim Besuch die strategische Bedeutung der Investitionen. MPG-Präsident Prof. Patrick Cramer ordnete die Entwicklungen zudem in die Ziele der Max-Planck-Gesellschaft ein: Exzellente Grundlagenforschung braucht langfristige Perspektiven – und moderne Forschungsumgebungen, die wissenschaftliche Durchbrüche ermöglichen.
Mit dem AMDL setzt das MPI-FKF seine Tradition internationaler Spitzenforschung fort – und richtet sie konsequent auf die kommenden Jahre aus: Materialien schneller entwickeln, besser verstehen und gezielter nutzbar machen – für die Welt von morgen.















